Unsere Nacht ist um 4.30 zu Ende. Schließlich geht’s ja heute auf große Überfahrt von vielleicht 12Std. Der Wetterbericht erscheint uns einigermaßen positiv mit wenig Welle und wechselnden Winden, so dass wir zuversichtlich noch in der Morgendämmerung ablegen.

Bei ruhiger See und mattem Wind umrunden wir die Südspitze von Patmos und nehmen Abschied von den Dodekanes (s. Foto) Wir können Groß und Genua setzen, lassen aber den Motor mitlaufen, damit wir auf mind. 5kn Geschwindigkeit kommen. Gegen 9 Uhr frischt der Wind so auf, dass wir den Motor stoppen können, allerdings nur für eine Viertelstunde, dann kommt uns eine höhere Welle direkt auf die Nase, sodass wir wieder den Motor leicht mitlaufen lassen. Nach einer Stunde dann wird der Wind stärker, sodass wir ein Reff einbinden. Bei dem neuen Segel geht das nicht ganz so einfach, weil das Tuch noch sehr steif ist, aber schließlich gelingt es. So geht es heftig hin und her: Groß raus, Groß rein, Motor an Motor aus. Die Welle wird auch immer höher, sodass es immer weniger Vergnügen macht und wir der Ankunft sehnsüchtig entgegen sehen, die aber immer noch einige Stunden entfernt ist. Erst wenige Meilen vor dem Ziel wird die Welle wieder ruhiger und wir können relativ entspannt in den Hafen einlaufen. Denken wir! Gu hatte morgens schon mit dem Hafenmeister telefoniert und er hat uns versichert, dass wir ein Plätzchen bekommen. Jetzt eine halbe Stunde vor Erreichen des Ziels melden wir uns erneut und bekommen wieder die Zusage, dass Platz ist, aber es bleibt unklar, ob wir längsseits anlegen können. So haben wir es wenigstens aus dem Kauderwelsch verstanden. Als wir in die kleine Marina einlaufen ist aber alles voll und der Hafenmeister weist uns einen Platz mit Anker zu. Darauf sind wir gar nicht vorbereitet. So muss Gu einige Runden drehen, bis WD den Heckanker klar gemacht hat. Zum Glück gibt es Platz zum manövrieren und nach einigen Minuten ist allen klar zum Festmachen. Der Hafenmeister nimmt die Leinen und alles klappt. Der Anker hat sich auch fest eingegraben, sodass wir uns sicher fühlen. Ein großer Kat liegt neben uns und versperrt die Sicht, aber er gibt auch Schutz.
Nachdem wir klarschiff gemacht haben, machen wir einen Rundgang durch das Dorf. In den Jahren, seit wir letztens hier waren (2017) hat sich viel getan. Es ist ein richtiger Touristenort geworden. Direkt neben dem Hafen ist ein großer schöner Strand und es kommen wohl auch viele Ausflügler aus Naxos herüber. Eine ganze Armada von Powerbooten liegt im Hafen, ob nur vorübergehend oder auf Dauer wissen wir nicht. Am nächsten Morgen stechen sie alle in See. Da Strom und Wasser im Preis von 15€ inkludiert ist, nutzen wir den folgenden Tag um das Boot sauber zu machen, Geräte aufzuladen usw. Mittags gehen wir in einer Taverne „Kapitän Nikolas“ sehr lecker essen und nehmen uns vor, noch eine kleine Wanderung über die Insel zu machen. Sie ist nicht sehr einladend,überall sind Baustellen, an manchen wird gearbeitet, manche scheinen verlassen. Aber der Blick von der höchsten Stelle entschädigt uns: an der Ostseite ist eine wunderschöne kreisrunde Bucht, in der auch 6 Schiffe ankern, nach Osten sieht man Denoussa und selbst Ikaria, nach Süden Amorgos bis nach Santorin, im Westen die kleinen Kykladen aufgereiht und im Norden natürlich das nahe Naxos! Als wir zurückkommen gibt es Aufregung im Hafen, zwei riesige Katamarane laufen ein, einer macht direkt an unserer Steuerbordseite mit Anker fest. Wir befürchten, dass unser Anker bei dem Manöver sich gelockert hat. Zunächst scheint das aber nicht der Fall zu sein. Erst als abends der Wind auf N und NW dreht werden wir doch dicht an den Kai gedrückt. Wir machen eine Hilfsleine am Kat fest und dadurch gelingt es uns Abstand zu halten. Ein unsicheres Gefühl aber bleibt. Im Laufe der Nacht soll der Wind aber abnehmen.
