Am Vortag werden wir von der Hafenpolizei benachrichtigt, dass unser schöner sicherer Platz längsseits an der Mauer geräumt werden muss, das ein Cruiser kommt. Keine Ahnung, was mit Cruiser gemeint ist – eine Aida passt bestimmt nicht hierher! Noch fegt es, und wir sind nicht begeistert bei Bft 5 im Hafen das Heckankermanöver an die Pier zu fahren. Außerdem haben wir noch in guter Erinnerung, dass wir vor drei Jahren unseren Heckanker genau unter eine dicke, im Hafenbecken querliegende Kette platziert hatten. 🙄Also warten wir nochmal ab, bis sich hoffentlich am Nachmittag der Wind etwas legt. So machen wir uns inzwischen auf in die merkwürdig aufgeregte Stadt.
UND SO:



Jaaa, da ist er, der Minister!
Myrina ist in Aufruhr! Überall Polizei, die Straßen sind gesperrt, die TV-Kameras bereit. Was ist da los? Wir gehen mit der Menge Richtung Einkaufsstraße. Ein Mann mit blütenweißem Oberhemd und einer großen Entourage scheint der Grund zu sein. Wir stehen am Rand und beobachten das ganze, und da steuert Mitsotakis direkt auf uns zu, gibt und die Hand und fragt (in korrektem Englisch!): “Where are you from? First time in Greece? Welcome!” Und weiter zieht der ganze Zug, der Minister nimmt überall auf dem Weg zum Rathaus ein Bad in der Menge. Da hört man nur Applaus, nicht ein Buhruf oder kritisches Wort! Wie wir später nachlesen können hat er auch nur gutes im Gepäck für die Drei-Insel-Verwaltung von Efstratios, Limnos und Lesbos: Steuererleichterungen und finanzielle Unterstützung der Primärbereiche.
Am Nachmittag legen sich die Aufregungen um den Minister und der Wind, so dass wir bequem ablegen und den Heckanker bereit halten können. Es gibt einen bequemen Platz zwischen einem dicken Motorboot und einem älteren freundlichen Seglerpaar aus Belgien/Chicago, das wir schon vorher kennengelernt haben. Leider klappt unser Ankermanöver erst beim zweiten Mal, da sich das Ankerband verdreht hatte und nicht auslief. Nun aber liegen wir wie in Abrahams Schoß, im wunderbaren Windschutz eines dicken Motorboots! Schon jetzt ahnen wir, dass wir hier länger bleiben müssen…
